Eine Theoriediskussion anhand von

Heinrich Harbach: Wirtschaft ohne Markt - Tranformationsbedingungen für ein neues System der gesellschaftlichen Arbeit, Karl Dietz Verlag Berlin GmbH, 2011, ISBN 978-3-320-02243-3

Liebe Teilnehmer,

Wirtschaft ohne Macht es ist mehr denn je höchste Zeit, der Theorie der Wirtschaftswissenschaft ihren Wissenschaftskern zurück zu geben, sagt der Autor. Leider sei dieser infolge der weltweiten Offensive neoliberaler und neokonservativer Kräfte im Austausch wissenschaftlicher Analysen gegen wirtschaftliche Glaubenssätze in Oasen interner Diskussionszirkel abgerutscht und als unzeitgemäß in Theorie und Praxis verteufelt worden. Dadurch begünstigt taumelt die Weltwirtschaft auf Kosten der Allgemeinheit von einer Katastrophe in die andere mit der Gefahr des Zerfalls der menschlichen Gesellschaft, auch weil der theoretische Kompaß abhanden kam. Deutungs- und Meinungshoheit auch in der Wirtschaftstheorie haben Personen, Institutionen, Interessengruppen und Netzwerke, die entweder bar jeder wissenschaftstheoretischen Kenntnisse oder/und jeglichen Gewissens die für Gesellschaft und Wirtschaft desaströsen Thesen vielfältig wiederholend als Wahrheit durchsetzen und die Gesellschaft dahin verändern, einer Invasion von Alchimisten gleich, die heute vollenden, was denen im Mittelalter nicht gelang.

Nun wäre es vermessen, mit einer solchen Diskussion diese Bewegung, wenn es überhaupt möglich wäre, der zustehenden Gosse überantworten zu können. Wir würden auch nicht den vielen Unerschütterlichen, die in ihren Zirkeln und Schulen weiterhin wissenschaftlicher Theorie nachgehen und sie weiterbringen, gerecht werden. Sie sind auch auf ihren vielfältigen Websites zu vielen theoretischen Details öffentlich. Nur fehlt uns noch die Erläuterung der großen, komplexen Zusammenhänge in ihren historischen Dimensionen und die gebührende Verankerung in einer breiteren Öffentlichkeit. Ein Anfang wäre mit der jetzigen Diskussion allemal zu erreichen.

Die Basis einer solchen Diskussion liefert unseres Erachtens Heinrich Harbach. Da kommt einer aus dem Nichts nach 145 Jahren Kapitaldiskussion auch vieler historischer und Ehrfurcht gebietender Koryphäen und behauptet nicht mehr und nicht weniger: Sie alle haben Marx nie verstanden, weil ideologiebestimmt! Dabei beläßt er es nicht, er hinterfragt alle existenten Theorien anhand des Kategoriegebrauches und befestigt wieder die ins Wanken geratenen Kategorien und befreit auch die marxistischen Definitionen von politischer Vorprägung. Und er versucht sich am Gesamtbild von Wirtschaft und Gesellschaft, indem die objektiv wirkenden ökonomischen Gesetze in ihrer heutigen Wirkungsweise zur Vergesellschaftung drängen. Er wagt es zu bestimmen, an welchen Punkten die Bedingungen für einen Übergang zur gesellschaftlichen Kontrolle notwendig und möglich heranreifen. Seine Theorie der "Superpositions", gefolgert aus Marxens "Kritik der politischen Ökonomie" sowie in Anlehnung an die Erkenntnisse der Quantentheorie, ist ein Versuch, Zugang zu einem nachmarktwirtschaftlichen Gesellschaftssystem zu finden. Das ist ein wohl hoffnungsvoller Ansatz. Sensationell wird der Ansatz seiner Analyse aktuell von "Karl Marx, das Kapital 1.5, die Wertform" , Karl Dietz Verlag Berlin GmbH 2017, ISBN 978-3-02337-8, aus Marxens Grab sozusagen, bestätigt. Diese Schrift ist unbedingt in diese Diskussion einzubringen.

Die wohl wichtigste Aussage in den Überlegungen von Harbach ist, daß alle ökonomischen wie gesellschaftlichen Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise mit ihren katastrophalen Konsequenzen letztendlich den Widersprüchen jeglicher Warenproduktion, also der indirekten sachlichen Vermittlung der Güterproduktion für den menschlichen Bedarf und der dadurch entstehenden Wertverhältnisse, entspringen. Damit steht er auch gegen jegliche Sozialismustheorie, die auf irgendeiner Form der Warenproduktion aufbaut. Dieser Ansatz, auch in den Arbeiten der "Masch Hamburg" http://www.masch-hamburg.de/ sowie von "Theoriekultur" http://www.theoriekultur.at/wiki? Gesellschaftliche Alternativen Jenseits Von Markt Und Geld zu finden, wird von der Mehrheit linker Kreise ignoriert oder die reine Verteilungsfrage gestellt. Die Gefahr eines nochmaligen grandiosen Scheiterns von marktwirtschaftlich geprägten Sozialismusmodellen ist förmlich zu riechen. Ist hier auch ein Schlüssel zu finden, der das massive Abwandern der Arbeiter und Angestellten hin zu autoritären Bewegungen erklärt? Deutlich spürbare Verachtung des "Pöbels" vieler Linker ist symptomatisch bei dringend angebrachter Analyse eigener Wirrungen. Die "Arbeiterklasse" hat sich nicht den Vorstellungen der Theorie gemäß erwiesen. War's das mit der "Arbeiterklasse"?

Das Anliegen de Website ist, alle interessierten Fachleute und natürlich auch Laien zu animieren, durch Meinungen, Fragen oder eigene Beiträge die gewiß nur grob aufgeworfene Theorie zu verfeinern helfen. Alternativ zu herrschenden Wirtschaftstheorien eingestellte Ökonomen, Publizisten, Journalisten, Politiker sind herzlich dazu aufgerufen. Gemeinsam können wir ein Stück des Weges zu einer den Interessen der ganzen Gesellschaft angemessenen Wirtschaftstheorie, die Ansatzpunkte einer dem entsprechenden Wirtschaftspolitik und einer möglichen und notwendigen humanen Welt ermöglicht, erschließen. Mag der eine oder andere pessimistisch in die Zukunft blicken, besser ist die Maxime Luthers: Wüßte ich heute, morgen ginge die Welt unter, pflanzte ich ein Apfelbäumchen usw.! Zum Abschluss sei auf eine weiterführende Arbeit von Heinrich Harbach verwiesen:

"Sozialistische Marktwirtschaft" - Lösungsweg für eine sozialistische Übergangsgesellschaft ? Zugänglich auf der Webseite der "Masch Hamburg".

"Aufhebung des Kapitalismus (die Ökonomie einer Übergangsgesellschaft", Argument Verlag 2015, ISBN 978-3-86754-319-4 Ausdrücklich gewünscht ist eine Verlinkung mit anderen thematisch gleichlaufenden Websites.